Montag, 23. Mai 2016

Über den Sentier des Statues auf den Mont Racine

Samstag, 21. Mai 2016


Ausgangspunkt La Sagne NE
Bahn oder Bus von La Chaux-de-Fonds nach La Sagne

Route: La Sagne - Marmoud - Sentier des Statues - La Grande Racine - Mont Racine - La Grande Motte - Les Geneveys sur Coffrane.

10 km, 4 Std. inkl. Pausen, 450 Hm Aufstieg, 600 Hm Abstieg, T1

Einen ersten Versuch, den Sentier des Statues zu begehen, machte ich am 26. Dezember. Vom fotografischen Ergebnis war ich dann enttäuscht. Der Grund: Der Sentier führt durch einen steilen Bergwald, Exposition Nord. Weil im Winter die Sonne tagsüber nur um die Mittagszeit scheint, liegen die Statuen meist im Schatten. Das Licht ist fürs Fotografieren denkbar ungünstig.
Käthi und ich lieben die Moorlandschaft um La Sagne und Les Pont-de-Martel. Und so kommen wir im Mai wieder. Diesmal stimmt das Licht. Aus irgendeinem Grund fährt das Bähnli nicht. Mit dem Bus erhalten wir neue Landschafts-eindrücke.


Wir überqueren den Bach Le Bied, der in den Mooren bei Les Pont-de-Martel versickert. 







Drüben im Marmoud werden wir zum Einstieg in den Sentier des Statues gewiesen. Er führt im Zickzack den steilen Bergwald hinauf. Es sind 200 Höhenmeter zu überwinden. 








Ein paar Worte zum Künstler, der die Skulpturen geschaffen hat: 
Georges-André Favre, Ingenieur und Künstler aus Le Locle, erwarb 1979 die Waldparzelle, in der er dann während 35 Jahren aus Baumstrünken über 140 Skulpturen schuf. Im November 2013 ist er im Alter von 82 Jahren gestorben. Heute wird der Sentier des Statues durch einen Verein unterhalten.

Die Fotos der Skulpturen kommentiere ich bewusst nicht. Es ist das Lebenswerk eines ganz besonderen Künstlers. Es lohnt sich, in diese Märchenwelt einzudringen.























 Selbstporträt von Georges-André Favre.
Ankunft am Ende des Skulpturenweges









Nach dem Kunst- dann auch noch das Naturerlebnis. Wir steigen hinauf auf den Grat des Mont Racine, geniessen die Blumenpracht und die Aussicht auf die Alpen, die ein bisschen im Dunst liegen. Eindrücklich wie immer die prächtigen Buchen.

Frühlingsenzian

Knabenkraut
 
Schlüsselblume
Neuenburger - und Murtensee, Berner Alpen
Für den Abstieg vom Mont Racine gibt es viele Möglichkeiten. Wir wählen eine nicht optimale Route nach Les Geneveys sur Coffrane. In der Karte zu Beginn des Blogs ist dies korrigiert und der markierte Wanderweg eingezeichnet. Andere Ziele wären der Col de La Tourne, Les Hauts-Geneveys oder Les Ponts-de-Martel.

Donnerstag, 19. Mai 2016

Chaschtler - Suche nach der Holunderorchis

Mittwoch, 18. Mai 2016














Ausgangspunkt Eggen ob Eggerberg
Bushaltestelle an der Linie Visp - Eggerberg - Eggen - (Finnen)

Route: Eggen - Kaffeehalt Wirtschaft Egga - Finnen - Chaschtler - Salwald - Meinimatte - Roosse - Mund.

9 km, 4 Std. inkl. Pausen, 650 Hm Aufstieg, 500 Hm Abstieg, Schwierigkeitsgard T1, markierte Wanderwege.

Seitdem wir im Salwald zwischen Chaschtler und Meinimatte die Holunderorchis (Dactylorhiza sambucina) entdeckt haben, suchen wir diesen einmaligen Standort fast jährlich auf. Wir fahren von Bern nach Visp und sind mit dem Postauto rasch oben in Eggen. Es lohnt sich, in der Wirtschaft Egga einzukehren. Von der Terrasse blickt man über Visp hinüber zur Mischabel.



Kurz hinter der Wirtschaft zweigt der Weg ab, der direkt hinaufführt zur Gorperi Suone. Natürlich ist die Versuchung gross, der Suone ins Baltschiedertal zu folgen. Wir wählen den Weg nach rechts, der uns recht steil hinaufführt nach Finnu. Im felsigen Bergwald blüht die Felsenbirne - und wir könnten einen grossen Vorrat an Wacholderbeeren pflücken. Das lassen wir jedoch wohlwissend bleiben. Das ist nämlich nicht der gewöhnliche Wacholder (Juniperus communis), sondern der sehr giftige Sefistrauch (Juniperus sabina).





Nach gut einer Stunde erreichen wir Finnu, machen Pause und geniessen die prächtige Aussicht.


Ein makabrer Ort! Neben dem Kreuz steht aus alten Zeiten auch noch ein Galgen.  Finnu hatte im Mittelalter eine eigene Gerichtsbarkeit.


Wir werfen noch einen Blick in die schöne Kapelle, bevor wir durch das Dörfchen bummeln. Die Häuser werden alle gut unterhalten. Die Einheimischen tragen Sorge zu dem, was ihnen die Vorfahren vererbt haben.





Ein Blick zurück. Unterwegs plaudern wir mit einem Bauern. Er hat Teekräuter gesammelt - von der Holunderorchis hat er noch nie etwas gehört. 



Im Aufstieg zum Chaschtler kommen dann die ersten botanischen Überraschungen. Die Berg-Anemone (Pulsatilla montana) vereint Schopf und Blüte am gleichen Stiel ...
....und wenn man gut hinschaut, ist der Schopf auch noch bewohnt.


An schattigen Stellen blüht die Schwefelanemone.


Wir kommen oben auf dem Chaschtler an. Die Spannung steigt. Zwar haben wir schon zwei Holunder-Knabenkräuter gesehen, aber das grosse Erfolgserlebnis war dies nicht. Wir folgen nun dem Waldweg, der unterhalb des Strässchens durch den Salwald führt.




Was wir nun sehen, übertrifft alle Erwartungen. Gelbe und Rote Holunderknabenkräuter, wie in der Flora Helvetca beschrieben auf lichten Waldstellen.






Und dann - welche Überraschung! Da blüht ja auch schon der Koch'sche Enzian (Gentiana acaulis). So intensiv blau-violett habe ich ihn noch nie gesehen.










Na ja - und dann geht es zügig Richtung Mund, am Wegrand nochmals eine Berg-Anemone.
 Der Suonen-Fan sieht natürlich überall Wasserleitungen, hier Wasser der Wyssa aus dem Gredetschtal.
Über Heuwiesen geht der Blick ins immer noch tief verschneite Simplongebiet.
Ziel Mund in Sicht - in Sicht auch das Nanztal. Die Heido hoch oben in diesem abgelegenen Tal ist meine Lieblingssuone. Wenn der Schnee geschmolzen ist, ist sie mein Ziel ...
In Mund befindet sich die Postautohaltestelle gleich unter dem Zehndenstadel aus dem Jahr 1437. In diesem befindet sich das Safranmuseum. Eine Führung in diesem Museum ist sehr empfehlenswert. Ich war im Oktober 2015 mit einer Gruppe da. Bericht und Fotos siehe hier!



Samstag, 14. Mai 2016

Ein Bubentraum: im Führerstand durch den Gotthard

Normalerweise ist es ja so, dass man zum Wandern irgendwo hinfährt, einige Worte über die Reise verliert und dann ausgiebig über die Wanderung berichtet. Diesmal ist es genau umgekehrt. Ich kann nämlich heute ein einmalig schönes Geburtstagsgeschenk einlösen. Auch in einem alten Mann steckt halt noch ein bisschen ein Kind - und was ich heute erlebe, ist ein alter Bubentraum. Ich wollte doch Lokomotivführer werden - handwerklich begabt war ich eben nicht, ich ging andere Wege. Und heute darf ich im Führerstand stehen, nicht in einem Mandarinli von Ittigen nach Papiermühle, sondern in einer Re 4/4 von Arth-Goldau nach Locarno. 


10 Minuten vor Abfahrt des Zuges treffe ich mich am Bahnhof Arth-Goldau mit Paul Jauch. Er hat 40 Jahre als Lokomotivführer gearbeitet und begleitet heute Führerstandsfahrten. Er wird mir unterwegs viel über die Gotthardbahn erzählen. Mich freut es, dass man sich im Führerstand grundsätzlich duzt - und so fühle ich mich mit ihm und Lokomotivführer Erwin auf Anhieb sehr wohl.

Als Fotograf bin ich heute gefordert. Es regnet in Strömen, der Scheibenwischer ist ständig in Bewegung. Zum Glück rauscht meine Kamera auch in höheren ISO-Bereichen nur wenig. Zumindest wird die Frontscheibe immer wieder frisch gewaschen, aber der Scheibenwischer fährt immer wieder unerwartet ins Bild.




Unterwegs erklärt mir Paul die Sicherheitssysteme. Da ist einerseits das ZUB. Dieses überwacht die Geschwindigkeit des Zuges zwischen Vor- und Hauptsignalen. Der Lokomotivführer fährt so, wie es die Aussensignale verlangen. Auf den Neubaustrecken kommt das ETCS, die Führerstandssignalisation, zum Einsatz. Dem Lokomotivführer werden mobile Daten auf einen Bildschirm übertragen.


Hier bei der Einfahrt in den Basistunnel gilt das ETCS - und nach Erstfeld wieder das ZUB. Durch die ständigen Wechsel der Systeme wird der Lokomotivführer sehr gefordert.






Nach Erstfeld beginnen die Steigungen. Wegen den heftigen Regenfällen muss der Lokomotivführer zur Verbesserung der Adhäsion sanden. Er demonstriert mir, wie die Räder schleifen, wenn er ohne Sand zuviel "Gas" gibt.



Wir fahren unter der Druckleitung des Kraftwerks Amsteg durch. Bald nach Gurtnellen folgt der Pfaffensprungtunnel, ein 360° Kehrtunnel.

Ich erfahre, dass aus Gründen der Adhäsion alle Kehrtunnel maximal 23‰ Steigung haben. Die steilsten Rampen haben 26‰.



Na ja - und schon folgt die berühmte Kirche von Wassen. Ich habe sie zwar drei Mal gesehen, aber nicht drei Mal passabel fotografiert. Dafür gelingt mir im Aussenspiegel eine Aufnahme unseres Zuges.



So sind wir nun in Göschenen, und haben Durst und löschenen. Dieser Spruch stammt vom Wirt und Volksdichter Ernst Zahn. Tempi passati. Das legendäre Bahnhofbuffett Göschenen, wo man zwischen zwei Zügen Mehlsuppe ass, gibt es längst nicht mehr.

Kreuzung im Gotthardtunnel. An der Kantonsgrenze Uri - Tessin steht in einer Nische eine kleine Statue der heiligen Barbara. Auf seiner letzten Dienstfahrt hat Paul Jauch seinen Zug zentimetergenau gehalten und das verschmutzte Schutzglas gereinigt.



Airolo. Das Wetter ist im Tessin nicht besser. Trotzdem ist es ein Erlebnis, die Kehrtunnel der Piottino und der Biaschina hinunterzufahren.


Hier sind wir auf Augenhöhe mit der Autobahn. Mir gefällt die Bahn natürlich besser ...


Kreuzung bei Giornico. Lokomotivführer Erwin konzentriert bei der Arbeit. Kurz vor Biasca kreuzt ein ETR 610, vermutlich als IC Lugano - Zürich unterwegs.






Ein weiterer ETR 610 steht bereit als Testzug.  Mit 250 km/h wird er durch den Basistunnel rasen.



 Zwischen Bellinzona und Locarno befahren wir zwei schöne Kastenbrücken - und nach Ankunft in Locarno darf ich unter Anleitung von Paul schalten und walten wie ein Lokomotivführer ...... Leider befand sich die Lokomotive zwischen Prellbock und Zug. Die Möglichkeit, mit der Lok abzuhauen, ergab sich so nicht. Weit gekommen wäre ich wahrscheinlich nicht ...
Immerhin sieht man ja, dass ich das Metier schon ganz gut beherrsche. Das Foto kommt sicher auf den Fahrausweis ....

Ein Bubentraum eben. Wie haben die Boss-Buebe doch so schön gesungen:


S'isch ja nur äs chlises Träumli gsi ....


Gewandert sind wir am nächsten Tag auch noch - ohne Regen von Losone nach Intragna.